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Elie Rosen über jüdisches Leben, Antisemitismus und Graz - Giuliani im Gespräch
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Ein Gespräch, das unter die Haut geht: Marie-Christine Giuliani trifft in „Giuliani im Gespräch – Die Gedanken sind frei" auf Mag. Elie Rosen, Vizepräsident des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs und Leiter der Israelitischen Kultusgemeinde für Salzburg, Steiermark und Kärnten sowie der jüdischen Gemeinde Graz. Aufgenommen wurde die Sendung im neuen jüdischen Kulturzentrum Milton Weber in Graz – jenem Haus, für das jahrelang gekämpft wurde und das heute als Ort der Begegnung für die ganze Stadt offensteht.
Rosen spricht offen über seine Familiengeschichte, geprägt von Großeltern, die als Überlebende der Shoah ihren jüdischen Ursprung lange verborgen hielten – und darüber, wie aus diesem Schweigen sein eigener Antrieb wurde, jüdische Kultur aktiv zu gestalten statt nur zu bewahren. Er erzählt von der Attacke eines Syrers im Jahr 2020, von der Erkenntnis, dass die Warnungen seines Großvaters bittere Bestätigung fanden, und davon, wie er den muslimischen wie den linken Antisemitismus an europäischen Universitäten einordnet.
Klare Kante zeigt Rosen auch politisch: Er benennt den milden Umgang der Justiz mit einem antisemitischen Vorfall an der Grazer Synagoge am Yom Kippur, kritisiert die selektive Empörung im politischen Diskurs und spricht über die Zukunft jüdischen Lebens in Österreichs Bundesländern. Ein Gespräch voller Persönlichkeit, Klarheit und Haltung – nachzuhören auf austriafirst.at, in der AUSTRIA FIRST App und in den AUSTRIA FIRST Podcast-Kanälen.
GIULIANI IM GESPRÄCH – DIE GEDANKEN SIND FREI hört ihr immer sonntags von 10 bis 12 Uhr – sowie an den weiteren Sendeterminen am Montag von 20 bis 22 Uhr und am Mittwoch von 19 bis 21 Uhr – direkt über die Webseite https://austriafirst.at/ oder in der neuen AUSTRIA FIRST App:
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Giuliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei.
SPEAKER_01Gibt es linksradikalen Antisemitismus? Die Antwort hören Sie gleich. Der Vizepräsident des Bundesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden sitzt neben mir bei Giuliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei. Bleiben Sie dran, gleich geht's los.
SPEAKER_00Giuliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei. Jeden Sonntag von 10 bis 12.
SPEAKER_01Und da sind wir auch schon. Willkommen, liebe Zuhörer, bei Giuliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei. Grüß Gott, Herr Magister Eli Rosen. Ja, grüß Gott, aus Graz. Sie führen heute die israelitische Kultusgemeinde für Salzburg, die Steiermark Kärnten, sowie die jüdische Gemeinde in Graz, also für Graz. Sie sind auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinde Österreichs, President der jüdischen Gemeinde Sloweniens, also sehr aktiv. Und was ich beobachtet habe, Ihnen geht es vor allem darum, irgendwie an Menschen zu erinnern, Plätze neu aufzubauen. Und das hat bereits dort begonnen, wo sie eigentlich auch groß geworden sind. Das ist die Region Baden und Mödling. Da kommen sie eigentlich her und da haben sie schon als 19-20-Jähriger sehr aktiv dazu beigetragen, dass eine Synagoge gerettet worden ist.
SPEAKER_02Ja, das ist schon sehr lang her, aber ja, das war meine Genese, wenn man so will. War alles, was zu tun hatte mit und um die jüdische Gemeinde in Baden, vor allem die Synagoge. Das war mir ein sehr frühes Anliegen, dieses Bauwerk im Zentrum von Baden zu erhalten. Das ist noch längerer Zeit gelungen. Ich bin seit 2023 aber nicht mehr in Baden.
SPEAKER_01Aber doch haben sie sich die Mühe gemacht, also sie waren ja damals ein ganz junger Mann, sich die Mühe gemacht, darum zu kämpfen, dass das bestehen bleibt. Und sie haben auch Bücher geschrieben, die leider vergriffen sind, wo sie mit, glaube ich, 60 bis 100 jüdischen Personen Gespräche geführt haben, um ihre Geschichten zu erzählen.
SPEAKER_02Naja, ich habe zu Baden natürlich einen intensiven Bezug gehabt und als ich in Baden zu arbeiten begonnen habe, gab es diese lokalhistorische Aufarbeitung der Geschichte der drittgrößten jüdischen Gemeinde in Österreich anbelangt, keinerlei Publikationen und das war eigentlich die Motivation für mich, hier meinen Beitrag zu leisten. Das hat 2005 begonnen und es sind dann, was Baden betrifft, drei oder vier Publikationen geworden, zuletzt über den jüdischen Friedhof dort. Und damit habe ich, denke ich, meine Aufgabe zur historischen Aufarbeitung der Geschichte, der jüdischen Geschichte der Kurstadt durchwegs für mich abschließend geleistet.
SPEAKER_01Also kann man sagen, sie sind dann quasi weitergezogen, aber ich muss unseren Zuhörern noch sagen, sie sind ja abgesehen von all diesen Funktionen, die sie haben, sind sie Jurist, Betriebswirt, haben zwölf Jahre einen Senat der Gleichbehandlungskommission geleitet, waren danach neun Jahre Richter und auch am Asylgerichtshof und dann am Bundesverwaltungsgericht. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass das, was Sie hier machen, Sie haben jetzt ja hier auch in Graz ein jüdisches Kulturzentrum eröffnet. Und zwar das erste jüdische Kulturzentrum einer jüdischen Gemeinde in Österreich, dass es ihnen darum geht, aufzuzeigen, zu bewahren und die Kultur hochleben zu lassen, aber auf eine sehr feine und empathische Art und Weise. Das sagt einem eigentlich auch schon der Name des jüdischen Kulturzentrums in Graz, Milton Weber heißt es ja.
SPEAKER_02Ja, also mir ging es in meiner Arbeit eigentlich immer darum, nicht nur zu bewahren, sondern auch entsprechend Akzente zu setzen. Das ist vor allem im Bereich der Kultur relativ leicht möglich, Kultur verbindet. Wenn man dann noch die verschiedenen Sparten findet, dann gibt Sparten etwa das Kino, das ein sehr adäquates Medium ist, auch gesellschaftlich heilige Fragen anzusprechen. Das Milton Weber Kulturzentrum in Graz ist ein sehr langjähriges Projekt, das habe ich damals mit dem Bürgermeister Nagel quasi begonnen und wir haben es jetzt da mit Unterstützung von Mario Kunasek und das hat auch die Emanuela Comit geholfen, hier endlich realisieren können. Ja, es ist als Kulturzentrum für die Außenwelt gedacht, nicht für die jüdische Gemeinde selbst.
SPEAKER_01Und eines der Themen in diesem Kulturzentrum, das habe ich sehr spannend und wichtig gefunden, ist auch das Thema der Religionen. Es soll jetzt nicht nur ein Blatt sein, wo es um die jüdische Religion geht, sondern überhaupt um das Thema Religion, das ja die Menschen immer schon begleitet und ein ganz wesentlicher Anteil ist. Woran glaube ich, womit identifiziere ich mich? Es gibt ja auch schon immer in gewisser Weise Kriege der Religionen. Wie genau kann man das verstehen?
SPEAKER_02Also das Zentrum versteht sich nicht als religiöses Zentrum, das wäre überhaupt nicht mein Anliegen, sondern als kultureller Vermittlungsort. Und im Zuge dessen gibt es im Kino mit gesellschaftspolitischen Themen. Es gibt aber auch Diskussionsveranstaltungen, die wir haben, auch zu Fragen der Migration. Es gibt das Medium-Konzert. Also ich denke, das ist relativ breit und gar nicht auf die Religion bezogen. Das ist im Judentum vielleicht etwas leichter als in anderen Religionen oder Kulturen, weil die Religion nicht im Vordergrund stehen muss. Dass sich die jüdische Religion oder das Judentum ja nicht nur als Religion, sondern auch als Volksgemeinschaft versteht, ist das auch für nichtreligiöse Personen oft ein leichter Anknüpfungspunkt. Das sieht man auch im europäischen Kontext, was Sie Slowenien erwähnt haben, also die ehemalig jugoslawisch-jüdischen Gemeinden haben durch diese Tito-Zeit überhaupt keine oder kaum eine religiöse Identität, während die kulturelle Identität relativ ausgeprägt ist. Und das klappt da trotzdem.
SPEAKER_01Sie hören Magister Eli Rosen bei uns, bei Austria First, Giuliani im Gespräch, die Gedanken sind frei. Es gibt also in Graz nicht nur für die Grazer ein jüdisches Kulturzentrum direkt bei der Synagoge, das es zu entdecken gibt.
SPEAKER_00Giuliani im Gespräch, jeden Sonntag von zehn bis zwölf und alle Folgen zum Nachhören auf AustriaFirst.at Hallo liebe Zuhörer, schön, dass Sie wieder mit dabei sind.
SPEAKER_01Ich darf heute ein Gespräch führen mit Magister Eli Rosen. Er führt die Israelitische Kultusgemeinde in Salzburg, der Steiermark und Kärnten, sowie die jüdische Gemeinde Graz and ist der Vizepräsident des Bundesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinde Österreichs and President der Jüdischen Gemeinde Sloweniens. Wer ist aber der Mensch, Eli Rosen? Sie erzählen Geschichten von Menschen, von Juden, die Schlimmstes erlebt haben. Wie alt sind Sie jetzt heute?
SPEAKER_02Ich bin im 56.
SPEAKER_01Genau. Ich nehme mal an, dass das auch Ihre Familie erreicht hat und es auch in Ihrer Familiengeschichte Dinge gibt, die Sie vielleicht jetzt nicht unbedingt erzählen möchten. Ich wäre Ihnen aber sehr dankbar, wenn Sie uns vielleicht ein bisschen einen Einblick geben, wie das bei Ihnen war und bei Ihrer Familie.
SPEAKER_02Tatsächlich ist es so, dass einem natürlich Ereignisse oder sozialen Umfelder, die man in der frühen Kindheit oder als Jugendlicher erlebt oder durchlebt, nachhaltig prägen. Und mein Engagement in der, wenn man so will, jüdischen Gas sagen, resultiert absolut daraus, weil meine Großeltern einen sehr zurückgezogenen Zugang zum Judentum hatten als Überlebende. Das heißt, das ist eher nach außen sehr bedeckt gehalten worden, was den eigenen jüdischen Ursprung betrifft. Und das Engagement war überhaupt nicht da, mit Ausnahme meines Cousins, der für mich dann irgendwie auch sehr prägend wurde. Und aus dieser Identität oder aus dieser Erfahrungen heraus ist eigentlich das Bedürfnis entstanden, quasi als, wenn Sie so wollen, Resultat der Schwa hier etwas Positives zu tun zu meiljüdischer Kultur. Das war mein Zugang. Das ist ein sehr anstrengender Zugang, weil es doch sehr stark Druck erzeugt. Und ja, sehr, wie soll ich das ausdrücken, sehr leistungs, ein großes Leistungsbewusstsein herbeiruft, hier möglichst viel und umfangrecht tätig zu werden. Es war sicherlich bei mir auch der Fall. Es war auch sicherlich sehr Holocaust geprägt, das hat sich das letzte Jahrzehnt sehr maßgeblich geändert, weil mein Tun eigentlich wenig vergangenheitsorientiertes, zukunftsorientiert geworden ist. Das ist auch etwas, was sich bei vielen Personen der ersten oder zweiten Nachkriegsgeneration quasi manifestiert hat. Es gibt also sehr viele Menschen, die Kinder haben, weil sie einfach das Gefühl hatten, sie müssen irgendwie was zurückgeben von dem, was genommen wurde. Und das mag jetzt falsch sein als Motivation für ein Kind, aber ich glaube, bei vielen einfach vorhanden.
SPEAKER_01Es ist ja ein unfassbares Trauma, das da in die Welt gekommen ist. Und dieses Trauma ist über vielen Familiengeschichten. Das ist eine unfassbare Gräueltat, dieser ganze Holocaust. Das ist einfach unvorstellbar. Man kann sich das überhaupt gar nicht vorstellen, wie es überhaupt zu so etwas kommen kann. Aber was immer noch übrig ist, und das auch in anderen Familien, in den Familien von Deutschen oder von Österreichern oder anderen, die sich an diesen Dingen beteiligt haben, ist das Thema der Schuld. Jetzt würde es für sehr interessant halten. Wie gehen Sie mit dem Thema Schuld um und auch mit Menschen aus Österreich oder aus Deutschland, haben die in irgendeiner Form für Sie noch mit dem Schicksal Ihrer Familie und all diese Familien, mit denen Sie gesprochen haben und wo sie das wissen, haben die noch was damit zu tun? Wie könnte man oder sollte man richtig mit der Schuldfrage umgehen?
SPEAKER_02Also für mich ist Schuld ein juristischer Begriff und schon allein aus dieser Sichtweise oder aus diesem Zugang kann es keine Schuld von oder keine persönliche Schuld von Personen geben, die an einem konkreten Geschehen nicht unmittelbar beteiligt sind, waren bzw. das unterstützt haben. Das heißt also, ich kann jemand, der, ich weiß nicht, 1970 geboren wurde, also keine Schuld vorhalten an den Geschehnissen der Jahre des Nationalsozialismus. Die Frage der Aufarbeitung ist eine ganz andere, die auch individuell ist. Wenn man jetzt sagt, okay, jeder muss aus einem historischen Ereignis auch eine Konklusion für sich ziehen, dann ist das etwas sehr Wünschenswertes, aber wie in vielen anderen Bereichen sieht halt die Realität anders aus. Also das würde ich jetzt nicht nur auf den Holocaust beziehen. Natürlich ist die Aufarbeitung des Holocausts in Österreich bzw. in Deutschland sehr, sehr späteinsetzend gewesen. Aber noch einmal die Frage des Umgangs mit dem Holocaust oder mit verschiedenen Verantwortlichkeiten in der eigenen Familie ist eine Frage der Reflexion. Und die Reflexion ist vorhanden, also die Reflexionsfähigkeit ist bei manchen besser und bei manchen weniger ausgeprägt. Und dann gibt es natürlich auch Milieus, die nicht reflektieren, wie bei vielen anderen Dingen. Und vielleicht noch Ideologien nachhängen, die die Mehrheitsgesellschaft für sich nicht mehr als angebracht erkennt. Aber die Frage der Schuld ist da in der Generation post 1945 oder einer des Erwachsenseins in der Zeit natürlich zu verneinen.
SPEAKER_00Giuliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei. Jeden Sonntag von zehn bis zwölf.
SPEAKER_01Willkommen zurück, liebe Zuhörer. Sie hören Giuliani im Gespräch, heute mit Magister Eli Rosen auf Austria First. Ja, ich wollte fragen, wie Sie das heute noch wahrnehmen, was im August 2020 passiert ist. Sie wurden ja da von einem Syrer attackiert, und zwar Sie persönlich konnten sich ins Auto retten. Und der Syrer hat dann im Nachhinein gesagt, also sein Motiv wäre abgrundtiefer Hass auf Israel und die Juden.
SPEAKER_02Ja, also wir sind jetzt beim muslimischen Antisemitismus angelangt, wenn ich damit anfangen kann. Jeder, der meint, Antisemitismus from Hass auf Israel trennen zu können, der wird eigentlich in der Realität des Besseren belehrt. Und der Antisemitismus der politischen Linken ist heute sehr, sehr stark oder sehr stark die Geschehnisse in Israel in den Vordergrund. Und ja, für mich ist dieses Geschehnis des Jahres 2020 heute, muss ich sagen, relativ weit entfernt, obwohl es sehr prägend war. Ich wurde immer wieder, vielleicht, dass ich das dazu gefragt, also was jetzt so das Bleibende oder das Schlimme war an dem Ganzen. Und das Schlimme war für mich nicht die persönliche Attacke, aber eine Erkenntnis, die ich mit meiner Cousine geteilt habe. Mein Großvater hat immer gemeint, das kommt alles wieder und alles schlimm. Und wir haben das eigentlich belächelt und gemeint, das hat sich geändert etc. Und was mir damals eben, was damals das Schlimmste war, war diese Erkenntnis, dass letztendlich diese Prophezeiung oder diese Angst meines Großvaters in dem Ereignis eine Bestätigung gefunden hat. Das war das Schwierige für mich. Es ist jetzt doch eine ganze Anzahl von Jahren her. Mittlerweile beschäftigen mich oder beunruhigen mich die Ereignisse, die sich in Europa, aber auch in Amerika abspielen im Zuge des Herstarkes des muslimischen Antisemitismus wesentlich mehr als das, was damals war, weil es eigentlich schlimmer geworden ist und nicht besser.
SPEAKER_01Aber können Sie unseren Zuhörern vielleicht ein bisschen besser erklären, wieso das für einen Syrer logisch sein könnte, einen abgrundtiefen Hass auf Israel und die Juden zu empfinden?
SPEAKER_02Also die Logik liegt eigentlich in der Genese, weil diese Personen, aus denen herkommst, so einen starken Teil sozialisiert sind und waren in einem Milieu, das traditionell sehr antijüdisch eingestellt ist bzw. war. Und daher dieser muslimisch geprägte Antisemitismus in sehr ausgeprägten Maße vorhanden war. Und ich denke nicht, dass das stark differenziert wird zwischen Israelis und Juden. Und das ist ja durchweg eine Erfahrung, die wir alltäglich machen bei den netten Zuschriften, die man bekommt. Da kommt das eindeutig zum Ausdruck.
SPEAKER_01Erklären Sie uns das, was für einen Unterschied machen Sie zwischen Israelis und Juden?
SPEAKER_02Ja, Israelis sind israelische Staatsbürger und doch Jüdisch. Es gibt auch arabische Israelis, das vergessen, die viele, die hier von Apartheidstaat reden, vergessen, dass es im israelischen Parlament arabische Parteien vertreten sind, beziehungsweise auch Minister gab oder Richterstaatsanwälte. Also das gibt es in keinem Apartheidstaat oder keinen Staat, der angeblich genozidär unterwegs ist. Es gibt eine Reihe von zum Beispiel die Drusen, arabischen dämmigen Personen, die auch den Militärdienst in Israel reichen. Das heißt, nicht jeder Israelis is Jüdisch. Israel versteht sich as a jüdischer Staat, aber nicht jeder Israeli is Jüdisch und sehr viele sogenannte Palästinenser sind auch in Israel tätig, sind berufstätig in Israel. Und das ist offensichtlich staat kennzeichnet.
SPEAKER_01Liebe Zuhörer, Sie hören bei mir Magister Eli Rosen. Er führt die Israelitische Kultusgemeinde für Salzburg, Steiermark, Kärnten und die jüdische Gemeinde in Graz. Und wir sind heute nach Graz gefahren und haben uns das jüdische Kulturzentrum angesehen, das Milton Weber Kulturzentrum. Und ich kann Ihnen nur empfehlen, wenn Sie es nicht weit haben oder auch mal einen kleinen Ausflug machen wollen, sich das jüdische Kulturzentrum in Graz anzusehen. Es ist komplett neu eröffnet.
SPEAKER_00Giuliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei. Jeden Sonntag von zehn bis zwölf.
SPEAKER_01Welcome back, liebe Zuhörer. Bei mir sitzt Magister Eli Rosen.
SPEAKER_02Ja, hallo, Grüße aus Graz.
SPEAKER_01Zum 25. Jahrestag der Wiedereröffnung der Grazer Synagoge haben Sie gesagt, Antisemitismus ist auch in der Steiermark längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Sie haben da von einer Werteverschiebung in Europa gesprochen, von dem Gedanken, der Kontinent wird das ernten, was er jetzt duldet. Und ähnliche Dinge haben sie auch am 27. Januar 2026 gesagt, wie sie im Parlament zum 81. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau gesprochen haben. Da waren ihnen auch, glaube ich, viele Kollegen aus der jüdischen. Szenerie ein bisschen Gram, dass sie Dinge so beim Namen genannt haben. Aber ich finde das wichtig, weil sie hier so gewisse Tabus aufbrechen und das ist notwendig, weil ansonsten wird es so weitergehen wie bisher. Der Antisemitismus könnte dadurch nur weiter wachsen. Erklären Sie doch unseren Zuhörern ein wenig, was Sie damit meinen, wenn Sie sagen, dass der Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
SPEAKER_02Der Antisemitismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, ist vielleicht so gar nicht richtig, er ist in der Mitte der Gesellschaft aufgeblöht. Damit wollte ich eigentlich zum Ausdruck bringen, dass wir längst nicht mehr Antisemitismus als Teil des Randes oder des rechten Randes des politischen Spektrums wahrgenommen oder wahrgenommen wird, sondern dass es uns sehr stark vor Augen geführt wurde, dass Antisemitismus keine Frage von rechts links ist, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ich tue mir ein bisschen schwer, mich mit der Frage des Antisemitismus zu beschäftigen aus der eigenen Betroffenheit, weil ich der Meinung bin, dass es sich daran nichts ändern lässt. Es sei denn, man verstärkt ihn nicht noch, indem man kulturell oder kulturelles Gedankengut reinholt, dass es verstärkt.
SPEAKER_01Ich wollte eigentlich auch nur erwähnen, was wir jetzt an den Universitäten vor allem erlebt haben, was den Antisemitismus betrifft. Seitdem es auch den Krieg gibt und die gesamte Palästina-Israel-Problematik, da gab es auch extrem viele schlimme Dinge, die passiert sind an amerikanischen Universitäten. Das ist offener Antisemitismus gewesen.
SPEAKER_02Der Antisemitismus ist auch, und das sehen wir eben, keine Frage der sozialen Schicht, sondern gerade an den amerikanischen Universitäten offenbart sich der Antisemitismus eigentlich im universitären Alltag in der Lehre. Das ist hinlänglich bekannt. Natürlich wahrscheinlich stärker, weil die politische Orientierung stärker links ist an den Universitäten, aber er hat dort schon Ausmaße erreicht, die im höchsten Maße bedenklich sind. In Österreich sehen wir es in etwas schwächerer Form, aber wir sehen hier einen eindeuten linken Antisemitismus. Ich höre den viel weniger verurteilt und denke, dass gerade da extrem, wem man meint, was tun zu können, extreme Ansatzpunkte gegeben sind, hier auch tätig zu werden. Aber ja, man macht sich da sehr bequem.
SPEAKER_01Aber wenn man jetzt sieht, dass sehr viel Antisemitismus vor allem in der linken Szene herrscht, wie sie auch an den Universitäten, also die Sie erwähnt haben, gesehen hat, dass es eine sehr alarmierende Geschichte ist, auch in der Kulturszene, wird ja aber eigentlich doch jetzt konkret in der österreichischen Öffentlichkeit und von Politikern anderer Parteien massiv daran gearbeitet, der FPÖ quasi zu unterstellen, sie wäre antisemitisch, da man ja behauptet, dort würden Menschen sein, die nationalsozialistisches Gedankengut positiv finden. Sehen Sie das als reale Problematik oder ist das etwas, wo man eigentlich sagen könnte, es ist Verharmlosung des Nationalsozialismus, weil mit der Unterstellung laufen ja ein paar andere Dinge parallel, die ja unfassbar sind?
SPEAKER_02Also ich denke, dass man auch wenn vereinzelt Fälle da sind, nicht erstens eine ganze Gruppe von Menschen oder Partei in die Mangel nehmen kann. Ich habe auch gesagt schon, dass es bei der Pönalisierung der linksextremen Betätigung in Österreich kein Korsett gibt, den man das messen könnte. Ich halte das noch einmal für eine sehr vereinfachte und vor allem sehr unsensiblen Umgang mit Extremismusformen, die mindestens in gleichem Maße geahndet werden müssen, als jetzt Tätigkeiten im Rahmen des Verbots gesetzt. Ansonsten glaube ich, ich will da auf Pauschalierungen tue ich mir schwer einzugehen, weil jede Pauschalierung für sich ja innehat, dass man sich das Denken erspart. Also in andere politische Richtungen hören wir wahrscheinlich mal so nicht pauschalieren. Und man muss alles gesamt betrachten. Und ja, das ist die, ich habe das einmal so genannt, die selektive Empörung, die man immer nur in die Richtung des anderen projiziert, wenn es der politische Gegner ist, dann versucht man den halt auf die Art und Weise außer Gefecht zu setzen. Ich habe das unlängst auch einmal verglichen. Also es gibt hier in der Steiermark auch Facebook-Auftritte anderer bürgerlicher Fraktionen. Was jetzt die Migrationsthematik betrifft. Also ich glaube an die mit der Überschrift FPÖ kämen, wird schon jeder schreien. Also es ist einfach eine Ungleichbehandlung hier, die sehr klar zu durchschauen ist und die ich doch als demokratiefeindlich erachte.
SPEAKER_01Im Mai 2025, Herr Magister Rosen, hat ein französischer Staatsangehöriger, der war 27 Jahre alt, Glasflaschen auf die Kuppel der Grazer Synagoge geworfen und hat das Klingel-Tableau des Gemeindehauses eingetreten. Und rausgekommen ist eigentlich nichts, also außer einer Diversion, wo der, glaube ich, 100 Euro zahlen musste, ist das richtig? Also 100 Euro und eine Probezeit für so einen Vandalenakt. Trägt das nicht zur Nachahmung an?
SPEAKER_02Es war so, ich meine, das mutet vielleicht seine Kleinigkeit an, dass man Flaschen in einen Hof haut, wo auch Menschen sein können. Aber es ist symptomatisch, es sind heute Flaschen am Morgen etwas anderes. Und wir sind dann, also das ist die Polizei, die hier 24-7 steht, hat das wahrgenommen. Und da ist auch das, wie Sie gesagt haben, das Klingeltabe eingetreten worden. Und die Staatsanwaltschaft hat das angezeigt. Und die zuständige Richterin hat dann gemeint, es war hier eine Diversion fahren zu müssen. Und hier 100 Euro war der Vorschlag. Und das hat mich sehr erbost, weil es einfach zeigt, wie sehr die Generalprävention aus Acht gelassen wird. Man reagiert in verschiedenen Bereichen des Rechtssystems vehement und im anderen nimmt man das hin, dass das sich vielleicht potenziert in späterer Folge. Das ist dann zurückgenommen worden und ich weiß jetzt nicht im Ausgang, es ist ein Verfahren. Generell haben wir aber die Thematik, dass es im Bereich Beleidigungen bzw. bei für uns doch relevanten Tartbeständen die Staatsanwaltschaft vielfach die Sache nicht aufgreift überhaupt?
SPEAKER_01Man muss auch noch dazu sagen, soweit ich informiert bin, hat es am Jom Kippur stattgefunden. Das ist der Versöhnungstag, wo also auch noch dazu die Synagoge, also wo alle vollzählig versammelt sind. Also deswegen wiegt das auch besonders schwer, da war nicht keiner da, sondern das Haus war voll. Würden Sie in diesem Zuge auch Jom Kippur, unseren Zuhörern, erklären? Das klingt sehr schön, Versöhnungstag. Sollte man öfter machen, glaube ich.
SPEAKER_02Ja, das ließe sich auch in dem politischen Alltag tragen, nicht dass vielleicht brauchen wir einen respektvollen Umgang miteinander, weil es zumindest bestimmte Teile des politischen Spektrums, das sehen wir aber auch in Deutschland, davon lebt, andere zu dämonisieren. Und das ist natürlich auch nichts sehr demokratisches. Aber der Jung Kippel ist der höchste jüdische Feiertag, ist ein Fasttag, das heißt, bei uns nichts essen, nichts trinken, ca. 24 Stunden. Und an diesem Tag ist das auch geschehen. Da gehen sehr viele Leute in die Synagoge, die normalerweise absent sind. Und ja, es hatte schon das auch ein bisschen einen Touch der Tat gegeben.
SPEAKER_01Aber es geht da um Versöhnung. Ja, dabei. Versöhnung, Vergebung, nehme ich an.
SPEAKER_02Es ist so, dass der Young Geburt zwei Perspektiven hat. Das ist also eine, die Versöhnung zwischen dem Individuum und Gold, aber sehr stark die zwischenmenschliche Komponente. Also die, wenn man so will, Bus ist der falsche Ausdruck ist nicht oder wird nicht als akzeptabel, adäquat angesehen, wenn zwischenmenschlich nichts passt. Also um etwas salopper auszudrücken. Ich kann nicht sagen, wunderbar, ich mache was mit dem da oben aus. Und dafür bin ich aber zu denen herunten Schirch. Schirch, ja, ist ein guter Ausdruck. Also das spürt es nicht. Okay. Das ist ja eigentlich auch sehr christlich. Naja, das Judentum und das Christentum haben ja mehr als einen Berührungspunkt, insofern darf ein so Berührungspunkt einen gar nicht wundern, ja.
SPEAKER_01Ja, und man sollte eigentlich öfters in diesen Gedanken gehen, dass man versucht, sich zu versöhnen und die Dinge aus der Weltschaft, von denen man glaubt, dass sie zwischen einem stehen, weil meistens sind es immer Missverständnisse. Kann man das auch so sagen? Sie meinen jetzt auch nicht zwischen einem und Gott.
SPEAKER_02Ich glaube, Missverständnisse müsste man gar nicht sagen, aber ich denke, man müsste auf das Gegenüber durchweg auch unter der Prämisse zugehen, dass man sich nicht in allem und jedem eins sein muss. Und trotzdem ein von Respekt geprägtes Miteinander führen kann.
SPEAKER_01Sie hören Magister Eli Rosen. Er führt die israelitische Kultusgemeinde Salzburg, Steiermark, Kärnten und die jüdische Gemeinde in Graz. Und Sie hören Giuliani im Gespräch, die Gedanken sind frei.
SPEAKER_00Giuliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei. Jeden Sonntag von zehn bis zwölf.
SPEAKER_01Willkommen zurück, liebe Zuhörer bei Giuliani im Gespräch. Wenn ich jetzt schon jemanden aus der israelitischen Kultusgemeinde bei mir sitzen habe, möchte ich doch einmal neugrick fragen, was für wichtige Traditionen es gibt in jüdischen Glauben. Eine Tradition, die mir geläufig ist und die ich eigentlich super spannend und sehr wesentlich finde, ist die Überlegung von Bachmitza. Ich hoffe, ich spreche das.
SPEAKER_02Bar mitzwa.
SPEAKER_01Ich wusste es, ich spreche es nicht richtig aus. Aber worum es geht, ist, dass, glaube ich, 14- oder 15-jährige Männer und Frauen oder nur Männer.
SPEAKER_02Unterschiedliches Alter bei Männern.
SPEAKER_01Okay, das müssen Sie uns erklären. Wissen, dass sie ab einem gewissen Alter die Verantwortung auch für ihre Daten übernehmen. Und da gibt es sicher noch ein paar sehr spannende Dinge. Bitte erzählen Sie unseren Zuhörern ein wenig aus traditionellen Dingen.
SPEAKER_02Ja, das Judentum ist eine sehr stark ritualisierte Religion. Es kennt 613 Gebote und Verbote, wobei es Gebote gibt, die zwischen dem Individuum und dem Göttlichen bestehen. Dann gibt es Gebote, die gegenüber anderen Menschen bestehen und etwa auch Gebote, die keiner vernunftorientierten Zugang erkennen lassen. Das ist eine sehr starke Gruppe, weil sie davon ausgeht, dass diese Gläubigkeit auch dort besteht, wo man Dinge nicht rational erfassen kann. Das heißt also, da haben wir stark ritualisierte Dinge, das wir sie angesprochen haben, die Bauern Bad Mitswa. Bat Mitswa. Bar mitzwa oder Bad Mitswa. Bar ist bei Burschen, das ist Sohn des Gebots oder Tochter des Gebots, ist bei Burschen 13., bei Mädchen 12. Lebensjahr ist, wenn sie das so wollen, die Religionsmündigkeit. Also ab dem Zeitpunkt sind sie verpflichtet, Gebote und Verbote zu halten. Also diese Eigenverantwortlichkeit kommt hier stark zum Ausdruck, dass es, wenn sie so wollen, ja vom Lebensabschnitt durchwegs mit dem Alter der Firmung kongruent, wobei beim Judentum so ist, dass sie die Firmung die Erneuerung des Taufversprechens, das heißt, es ist ja ein Sakrament, wird es ja gespendet bauen, damit sie, ob sie es wollen oder nicht, genauso wie sie wahlberechtigt werden mit 18. Ansonsten haben wir eine Vielfalt von Ritualen. Der Schabbat zum Beispiel, also der wöchentliche Ruhetag ist einer. Es gibt extrem viele auf den Schabbat zugeschnittene Gebote und Verbote. Also alles wenn man religiös ist, da darf man kein Licht machen, da darf man auch sonst keinen Strom betätigen, man hat ein Schabbatessen innerhalb der Familie oder des engen Kreises. Also da gibt es schon sehr viele Rituale sind in der Regel doch sehr stabilisierend und identitätsstiftend und da gibt es sehr viel zum Anhalten. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum das Judentum bei sehr vielen Leuten Hals suchen, sehr gefragt ist, weil sehr, sehr viel vorgegeben ist. Wenn ich jetzt böse, würde ich sagen, der Spielraum des Denkens und dem, was man machen muss, nicht sehr groß ist.
SPEAKER_01Haben Sie viel Zulauf?
SPEAKER_02Wir hätten viel Zulauf. Das Judentum ist aber keine missionierende Religion. Das unterscheidet uns von anderen Religionen und zwar nicht, weil wir so ein elitärer Club sind, sondern weil das Judentum davon ausgeht, dass man auch, wenn man nicht jüdisch ist, quasi Anteil haben kann an der kommenden Welt. Ich habe vorher erwähnt, diese 613 Gebote und Verbote, die ein Judah oder eine Jüdin zu beachten hätte, um da den Anteil zu haben. Nicht-Juden haben um ans gleiche Ziel zu kommen, nur sieben. Und das sagen die Weisen ganz rational. Also wenn ich mit viel weniger Aufwand ans selbe Ziel komme, dann werde ich mich doch nicht der Gefahr aussetzen, nicht ans Ziel zu kommen, weil ich nicht ausreichend einhalte. Und das ist der Grund, warum wir nicht aktiv nachmissionieren. Wir wären deutlich mehr, wenn so wäre. Es ist in Österreich auch ein bisschen schwierig, weil in Österreich gibt es nur ein Rabbinatsgericht in Wien, der diese Übertritte macht und dort ist es nicht sehr leicht.
SPEAKER_01Jetzt haben sie es so ganz nebenbei gesagt, ans Ziel zu kommen im Judentum. Ich weiß ja gar nicht, ob das jetzt nicht ein ganzes Buch fühlt. Was ist das Ziel?
SPEAKER_02Das ist eine gute Frage. Eines meiner Brücher trägt den Namen Im Tod liegt die Unendlichkeit. Und ich denke, diese messianische Unendlichkeit, das Judentum ist ja messianisch ausgerichtet, wäre dieses Endziel.
SPEAKER_01Sie hören Magister Eli Rosen bei Giuliani im Gespräch, die Gedanken sind frei.
SPEAKER_00Giuliani im Gespräch, die Gedanken sind frei. Jeden Sonntag von zehn bis zwölf.
SPEAKER_01Willkommen, liebe Zuhörer, bei Giuliani im Gespräch, die Gedanken sind frei mit Magister Eli Rosen, Chef der israelitischen Kultusgemeinde Salzburg Steiermark-Kärnten und leitet auch die jüdische Gemeinde in Graz. Wir sitzen auch gerade im jüdischen Kulturzentrum und haben uns das ein bisschen angesehen. Ja, Sie haben gesagt, dass der Herr Landeshauptmann Cunasek here mitgeholfen hat, 1,25 Millionen Euro für das Kulturzentrum gegeben hat, damit das auch wirklich vorankommt und entsprechend eben so umgebaut werden konnte. Sie haben aber auch ganz interessante Dinge gemacht. Sie sind ein sehr spezieller Mensch. Sie haben die Frau Grazer Bürgermeisterin LGK einmal von einer Gedenkfeier ausgeladen. Wie ist denn so Ihr Umgang mit dem politischen Lagern hier in der Steiermark? Erzählen Sie einmal.
SPEAKER_02Also die Steiermark ist an und für sich ein recht umgängliches Gebiet, wo ich jetzt den die gesamtösterreichische Aritation nicht so extrem ausgeprägt empfinde. Ich habe an und für sich zu allen Parteien eine Gesprächsbasis. Natürlich gibt es Parteien, mit denen man eine bessere oder schlechtere hat, mit dem man mehr überschnitt hat oder nicht. I've flagged some Marikonosek a guten contact. They had the Yudish Kulturcentrum here in the Steirmark gemeinsam with Santa Stellain understudied, uh Yeah, it been special. Ich bin kein Bequemer. Auch das Interview, das ich hier mit Ihnen führe, passt andern nicht. Das ist mir aber ziemlich wurscht, genauso wie es mir eben egal war, eine Fraktion und Bürgermeisterin auszuladen, als ich es für angebracht hielt. Man muss aber schon sagen, dass in der Steiermark zumindest der politische Umgang so ist, dass man sich nachher trotzdem wieder hinsetzt und über die Dinge redet.
SPEAKER_01Es ging ja hier auch konkret, das ist die Kommunistische Partei Österreichs, und es ging hier auch um die Positionierung von der VK gegenüber Israel.
SPEAKER_02Also Ausgangspunkt dieses Schritts, den ich gesetzt habe, und man muss dazu sagen, der Schritt war Ende Oktober 2023, 7. Oktober war damals ausschlaggebend, aber schon da haben manche Parteien gemeint, sich entsprechend positionieren zu müssen, so positionieren zu müssen, wie wir es nicht für angebracht haben. Das war jetzt nicht nur die Bürgermeisterin, sondern auch andere Mitglieder der KPÖ. Israel ist eine sehr wesentliche Komponente für uns, weil es eine vielschichtige Komponente ist. Es ist nicht nur die Frage des Umgangs mit einem jüdischen Staat, der mittlerweile fast 80 Jahre seit einer Gründung wieder in Frage gestellt wird von der politischen Linken, sondern auch die Frage des Umgangs mit dem Antisemitismus, der daraus resultiert. Das ist nicht nur, dass man sagt, man positioniert sich jetzt in einem bewaffneten Konflikt. Das ist es ja. Das vergisst man ja auch immer, dass hier Krieg herrscht und nicht eine Kleinigkeit von sich geht. Und da glaube ich, ist schon wichtig, dass man auch politisch Farbe bekennt.
SPEAKER_01Und ich würde sagen, damit gehen wir zurück nach Graz. In Graz haben wir das Thema Graz ist pleite. Wird das die Kulturgemeinde oder die Synagoge in irgendeiner Form tangieren?
SPEAKER_02Oder ist das für Graz ist im höchsten Maße Pleite, das ist ja mittlerweile sehr bekannt. Es sind verschiedene oder Sozialleistungen sehr stark bedient worden aus, glaube ich, anderen Bereichen, wo es jetzt fehlt.
SPEAKER_01Würden Sie, Entschuldigung, dass ich sie unterbreche, sogar sagen, weil mir kommt das fast ein bisschen vor wie ein, es ist meine Meinung, Wahlbetrug, weil davor war ja alles Eitel Wonne, das ist die KPÖ wieder gewählt worden, eben weil sie so großzügig war und so viel ausgeteilt hat an Menschen, was ja schön ist, aber das war eigentlich von vornherein klar, dass das gar nicht mehr vorhanden ist.
SPEAKER_02Natürlich ist es heute so, dass sie mit Brot und Spielen punkten. Woher das Brot an die Spiele kommen, ist ja letztendlich erst nacherschlagend, aber vor der Wahl gibt es Brot und Spiele und das viel versprochen und nicht mitunter eingehalten wird bei Wahlen, ist kein Novum. Natürlich werden wir es auch spüren, weil wir ja auch den Kulturbereich bedienen, bislang und auch bedienen müssen. Und es ist jetzt schon die Kulturförderung runtergestrichen worden. Also ich habe heute gestern in der Nacht interessanterweise die Antwort auf meinen Subventionsantrag vom 15. April bekommen mit einem Verbesserungsauspark von fünf Tagen, weil dann entscheidet man. Also unter der Prämisse sehe ich ganz deutlich, dass hier Kultur sicherlich nicht zu den Haupttätigkeitsfeldern der krassen Stadtregierung gehört.
SPEAKER_01Sie hören Magister Eli Rosen bei Giuliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei.
SPEAKER_00Giuliani im Gespräch. Jeden Sonntag von zehn bis zwölf und alle Folgen zum Nachhören auf AustriaFirst.at.
SPEAKER_01Willkommen, liebe Zuhörer, bei Giuliani im Gespräch mit Magister Eli Rosen. Er führt die israelitische Kultusgemeinde für Salzburg, Steiermark und Kärnten und die jüdische Gemeinde in Graz. Wir sitzen im jüdischen Kulturzentrum in Graz, Milton-Weber-Zentrum, sollten Sie sich mal anschauen. Aber Sie sind ja auch über die Grenzen hinausgegangen. Sie haben 2021 in Laibach die erste dauerhafte Synagoge Sloweniens eröffnet. Was war das für ein Moment für Sie?
SPEAKER_02Der Start war ein sehr schöner eigentlich, weil es eine Aufbruchsstimmung war. Wir haben auch einige Jahre gearbeitet. Slowenien ist aber ein sehr schwieriges Gebiet, weil es ein relativ kleines Potenzial an Leuten hat. Da kommt dann auch noch dazu, das, was ich bereits einmal gesagt habe, dass hier die Identitäten ganz andere sind, als wir sie in Österreich haben. Das heißt, das Bedürfnis nach Partizipation ist ein geringer Ausgeprägtes hier. Und ich habe auch, das muss ich sagen, Slowenien in seiner Offenheit sehr überschätzt. Also ich war in den Slowenien immer der Ausländer gewesen. Also das ist auch okay. Das bin ich ja auch, aber in der Arbeit war es nicht sehr leicht.
SPEAKER_01Aber Sie haben es gemacht, so wie Sie alles einfach machen.
SPEAKER_02Einfach machen, sage ich einmal, ist es nicht. Aber sie geben nicht auf. Ich gebe nicht auf, aber es ist natürlich, wenn Sie in so kleinen Entiitäten arbeiten, ist das sehr, sehr vielschichtig, nicht nur politisch, sondern auch was das Ökonomische betrifft, also die Ressourcen sind nicht sehr, sehr groß. Die gesetzlichen Regelungen, wie sie hier in Österreich sind, sind nicht die, die ich jetzt in dieser Form so getroffen hätte. Also ich spreche jetzt das österreichisch-jüdische Kulturwerbegesetz an, das für die kleinen Gemeinden keine Existenzsicherung mit sich bringt, weil es keine Sockelförderung hat in den Bereichen, die den eigentlichen Erhalt betreffen. Also wir haben hier taxativ aufgezählt, ich glaube sieben Punkte sind es, wofür das Geld verwendet werden darf. Sicherheit ist eins, aber wenn man die Sicherheit weglässt, dann sind das alles Tatbestände, wo wir Ausgaben generieren müssen, um quasi das Geld abzurufen, weil unsere Etats nicht so groß waren. Also zum Beispiel, wenn ich vorher 200.000 Euro an Kulturausgaben habe und nachher 200.000 Euro aus dem Kulturerbe-Gesetz nehmen kann, dann wären 200.000 frei. Wenn ich aber vorher keine 200.000 habe, weil ich ein 100.000 Jahresbudget habe, dann muss ich was garieren und es wird mir kein Geld frei. Und die Thematik wäre eigentlich die Existenzsicherung im Sinne der betriebswirtschaftlichen Kosten.
SPEAKER_01Sie haben aber in Österreich schon einige Ehrenzeichen bekommen für alles, was Sie auf die Beine gestellt haben. Also das große Ehrenzeichen des Landes Steiermark, das Goldene Kompturkreuz des Landes Niederösterreich. Haben Sie das nächste Projekt schon im Kopf?
SPEAKER_02Naja, das nächste Projekt läuft derzeit. Das ist die Sanierung der Synagoge in Salzburg, die wir hoffentlich im November quasi wieder öffnen und das Projekt abschließen können. Ansonsten bin ich mir sicher, dass sich wieder was auftut, wenngleich natürlich man eines sagen muss. Ich hatte vorher ein Gespräch mit einem Wirtschaftsmagnaten, dass es eine sehr schwierige Zeit ist, Geldmittel für jüdische Einrichtungen aufzutun. Also wie sie kann da unter Anführungszeichen da exponieren, teils selbst aus monetären Überlegungen, teilweise aus Image-Überlegungen.
SPEAKER_01Sie verzeihen mir, dass aber die derzeitige politische Situation in Österreich führt leider dazu, weil da Leute am Ruder sitzen, die wenig Gutes für das Land zusammenbringen. Trotzdem die Frage, wie sieht jüdisches Leben in Österreich in zehn Jahren aus, wenn es gut läuft?
SPEAKER_02Ich denke, das muss man differenzieren. Jüdisches Leben in Wien, das war immer ein bisschen anders und jüdisches Leben in den Bundesländern. In den Bundesländern wird es nicht allzu rosig ausschauen, wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht andere sein werden. Natürlich ist die Frage des Zuzugs von jüdischen Personen ein Thema innerösterreichisch. Wir müssen attraktive Standorte bieten, damit die Leute, die jüdische Kultur wichtig ist, auch hierher kommen. Das ist der Grund, warum ich mich halt sehr bemühe. Aber ich glaube, wir haben zwei Dinge oder besonders einige, das wichtig ist. Nämlich einerseits die Sicherheitskomponente, dass die gesichert wird, indem einerseits die Sicherheitsfaktion hochgefahren werden können. Wir haben hier in Grad sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen, während man in Salzburg laut Landesgericht, also die Sicherheit jüdischer Einrichtungen, alles nur Fantasie ist. Und das Zweite ist natürlich auch die Aufnahme durch die Mehrheitsgesellschaft, weil wir natürlich merken, die jüdische Gemeinde für sich ist ja keine, was die Wähler anbetrifft, keine relevante Einheit. Das sind andere Kulturgruppen, also Muslime sehr wohl. Und daher, das sehe ich am anderen Stand in Salzburg, legt man nicht vor gegen Personen, die Hetzen und eingedämmt, was das ist.
SPEAKER_01Das wird nicht eingedämmt.
SPEAKER_02Das ist das, was ich auch interessant finde. Man wirft ja der FPÖ immer Hetze vor. Und wenn ich mir anschaue, diverse Reels die Parteien hier im Land loslassen, dann weiß ich nicht, was Hetze ist. Das ist teilweise wirklich furchtbar. Und das würde ich jetzt sagen bei jeder anderen Partei. Aber in Salzburg habe ich hier wirklich sein im Fall gegen Israel, gegen die FPÖ, die sehr ihresgleichen sucht und an der sich aber niemand stößt.
SPEAKER_00Giuliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei. Jeden Sonntag von zehn bis zwölf.
SPEAKER_01Herr Magister Rosen, was wünschen Sie sich von unseren Hörerinnen und Hörern auf Austria First? Was wollen Sie denen noch mitgeben?
SPEAKER_02Denen würde ich gern mitgeben, dass sie nicht aufhören sollen, politisch zu denken, dass sie, egal in welche Richtung es geht, eben sich auch nicht verheizen lassen. Und dass sie die Sicherheit und die österreichischen Traditionen im Kopf und Hinterkopf behalten sollten, wenn wir sicher in die Zukunft schauen sollen.
SPEAKER_01Dann bedanke ich mich sehr herzlich, dass Sie bei uns waren. Das war Magister Eli Rosen bei Juliani im Gespräch. Die Gedanken sind frei. Und ich weiß, ich wiederhole mich. Kommen Sie mal ins jüdische Kulturzentrum in Graz, Milton Weber Kulturzentrum. Es ist ein Haus, für das jahrelang gekämpft worden ist, und machen Sie sich selbst Ihr Bild. Ansonsten wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Sonntag. Danke, Herr Magister Rosen und passen Sie gut auf sich auf, denn Sie wissen ja, was wäre Austria Fürst ohne Sie? Gar nichts. Bleiben Sie gesund und bleiben Sie an unserer Seite, so wie wir an Ihrer Seite sind.
SPEAKER_00Giuliani im Gespräch, jeden Sonntag von zehn bis zwölf, und alle Folgen zum Nachhören auf AustriaFörst.at