AUSTRIA FIRST
Austria First - Österreichs Patriotenradio
AUSTRIA FIRST
Harter Weg und hohe Pflichten: Was das österreichische Notariat wirklich leistet - Recht und Realität
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Die Arbeit eines Notars entscheidet oft über große finanzielle Summen und den reibungslosen Ablauf nach familiären Schicksalsschlägen. In der aktuellen Ausgabe von „Recht und Realität“ blickt Juristin Cornelia Haider tief in dieses geschlossene Berufsbild. Ihr Gast, FPÖ-Justizsprecher und Notar Mag. Harald Stefan, erklärt detailliert und praxisnah, warum die staatliche Regulierung der Notariatsstellen für den Bürger entscheidende Vorteile hat, von der unparteiischen Aufklärung beider Vertragsparteien bis hin zur existenziell wichtigen Treuhandschaft beim Immobilienkauf. Er spricht auch offen darüber, welch langer, oft jahrzehntelanger Ausbildungsweg notwendig ist, um letztlich eine Kanzlei zu übernehmen.
Zusätzlich zur juristischen Detailarbeit beleuchtet Harald Stefan die harte politische Realität. Als Nationalratsabgeordneter leitet er eine Kanzlei parallel zum eng getakteten Parlamentsbetrieb. Stefan unterstreicht, dass Politiker dringend Erfahrungen aus der Berufspraxis benötigen, um die oft überbordende Bürokratie des Staates aus Sicht der Unternehmer überhaupt begreifen zu können.
Alarmierend wird es beim Blick Richtung Brüssel: Die EU drängt laut Stefan laufend mit völlig praxisfernen Ideen in nationale Rechtssysteme. Daraus könnte auch die Gefahr erwachsen, dass das bewährte Konstrukt des heimischen Notariats in Zukunft europaweit zur Disposition gestellt werden könnte. Eine dichte halbe Stunde geballtes Fachwissen zwischen juristischen Fachfragen und politischer Bewertung.
RECHT UND REALITÄT – DAS MAGAZIN FÜR GERECHTIGKEIT hört ihr immer neu am Dienstag von 11 bis 12 Uhr direkt über die Webseite https://austriafirst.at/ oder in der AUSTRIA FIRST App:
📱Apple/iPhone: https://apps.apple.com/at/app/austria-first/id6756575485
📱Android: https://play.google.com/store/apps/details?id=at.austriafirst.app
Abonniert auch die Social Media Kanäle von AUSTRIA FIRST:
Facebook: https://www.facebook.com/austriafirst.at
Instagram: https://www.instagram.com/austriafirst.at/
Telegram: https://t.me/Austria_First
X: https://x.com/austriafirst_at
YouTube: https://www.youtube.com/@austria_first
#austriafirst #radio #rechtundrealitaet #podcast #haraldstefan #notariat #politik #justizpolitik
Recht und Realität, das Austria Föstmagazin für Gerechtigkeit mit Cornelia Haider.
SPEAKER_02Herzlich willkommen zur neuen Ausgabe unseres Magazins für Gerechtigkeit. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Es gibt für die meisten von uns nur zwei Situationen, in denen wir einen Notar brauchen. Wenn ein Angehöriger verstirbt und eine Verlassenschaft abzuwickeln ist. Oder wenn man eine Wohnung oder ein Haus kauft. Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt eines erstaunlich breiten Tätigkeitsfeldes. Was also macht ein Notar eigentlich? Welche Aufgaben übernimmt er? Wie wird man überhaupt Notar? Wie lange dauert dieser Weg? Und warum ist die Zahl der Notare in Österreich gesetzlich begrenzt? Das alles bespreche ich heute mit einem Mann, der den Beruf nicht nur theoretisch kennt, sondern täglich ausübt. Und der zugleich eine zweite, sehr öffentliche Rolle innehme. Mein heutiger Gast ist Magister Harald Stephan. Er ist öffentlicher Notar in Wien und zugleich Abgeordneter zum Nationalrat und langjähriger freiheitlicher Justizsprecher. Es wird also spannend.
SPEAKER_01Recht und Realität, das Austria First Magazin für Gerechtigkeit.
SPEAKER_02Ihr hört Recht und Realität. Die meisten von uns haben nur selten mit einem Notar zu tun. Dabei umfasst sein Amt weit mehr Aufgaben, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Werfen wir also einmal einen genauen Blick darauf, was diesen Beruf eigentlich ausmacht und welche Rolle er in unserer Rechtsordnung spielt. Dazu habe ich heute einen prominenten Gast zu Besuch. Magister Harald Stephan ist freiheitlicher Justizsprecher and seit über 30 Jahren selbstständiger Notar in Wien. Lieber Harald, schön, dass du da bist. Beginnen wir einmal ganz grundsätzlich. Wenn unsere Zuhörer an einen Notar denken, dann denken sie an einen Stempel, sie denken an eine Unterschrift, vielleicht an einen Vertrag. Aber was genau ist eigentlich ein Notar und worin unterscheidet sich der Notar etwa vom Rechtsanwalt?
SPEAKER_00Also der Notar ist ein sogenannter rechtsberatender Beruf, insofern in gewisser Weise ähnlich dem Rechtsanwalt. Also er ist ein selbstständiger Unternehmer. Man nennt das einen Freiberuf. Und er hat im Unterschied zum Rechtsanwalt, darf er nicht streiten, um das so auszudrücken. Also er kann nicht vor Gericht in streitigen Verfahren vertreten. Und er kann dafür auf der anderen Seite öffentliche Urkunden erzeugen, also Urkunden, die so gemacht werden, als wären sie vom Staat gemacht, könnte man sagen. Also die einen besonderen Vertrauensschutz haben.
SPEAKER_02Das ist ja diese besondere Stellung, die man öffentlichen Glauben nennt, oder? Was bedeutet das jetzt praktisch?
SPEAKER_00That bedeutet, dass wenn a Urkunde von einem Notar in a bestimmte Form errichtet is, will ich jetzt nicht langweilen, aber da gibt es natürlich mehr Stufen oft, then a other or another station that this is correct and rich is. Zum Beispiel, I best have the Echtheid. When I this bestätigt habe, then I can Gericht vorlegen, and the Gericht nimmt zur Kenntnis, this is this person that you underschrieben. We said auch im internationalen Austausch wird das üblicherweise zwischen Finnländern 1 zu 1 anerkannt. Zum Teil braucht man dann noch eine weitere Überbeglaubigung. Aber das ist zum Beispiel etwas, das der öffentliche Glauben, das heißt, alle Menschen in Österreich dürfen darauf vertrauen, dass das jene Person ist, die unterschrieben hat. Wenn ich bestätige, dass diese Person vor mir unterschrieben hat, dann kann man davon ausgehen, ich habe den Ausweis geprüft, ich habe die Person geprüft, die hat vor mir freiwillig unterschrieben, hat noch erklärt, dass sie den Inhalt der Urkunde kennt und eben ohne Zwang unterschreibt. Das ist eben zum Beispiel der öffentliche Glaube und da kann sich dann jeder darauf verlassen. Und das ist ganz wichtig auch für Institutionen, zum Beispiel das Grundbuch oder das Firmenbuch, die können sich darauf verlassen und wenn dann dort etwas eingetragen ist, das auf Grundlage einer solchen Urkunde gemacht wurde, dann kann sich wiederum jeder Dritte darauf verlassen, dass das, was im Firmenbuch oder im Grundbuch eingetragen ist, auch stimmt.
SPEAKER_02Du hast vorher schon kurz den Unterschied zum Rechtsanwalt angesprochen. Bedeutet das, dass der Notar zur Unbarteilichkeit verpflichtet ist?
SPEAKER_00Ja, das ist genau der Punkt. Also der Notar ist ja auch Vertragserrichter in vielen Fällen zum Beispiel. Also gerade im Grundbuchsrecht oder Gesellschaftsrecht, der muss immer beide Seiten gleich belehren. Und beide Seiten insofern, also die Anliegen von beiden Seiten ausgleichen. Ich kann also nicht hineinschreiben und sagen, ich habe in diesem Fall nur die Käuferseite vertreten und sozusagen der Verkäufer soll schauen, dass er jemanden findet, der das prüft. Das ist beim Notar, der muss eben beide Seiten immer berücksichtigen, muss beide Seiten auch darauf hinweisen, wenn es Risiken gibt. Parteien können sich ja gemeinsam dazu vereinbaren, dass der Vertrag für den einen oder für den anderen vorteilhafter ist. Aber sie müssen vorher gewusst haben, was ihre Rechte und Pflichten sind.
SPEAKER_02Vielen Dank. Gleich geht es weiter mit der Frage, was ein Notar außer Todesfälle und Hausverkäufe sonst noch alles regelt.
SPEAKER_01Recht und Realität, das Austria First Magazin für Gerechtigkeit. Mit Cornelian Heider, immer neu, am Dienstag von elf bis zwölf.
SPEAKER_02Ihr hört Recht und Realität. Mein Gast ist heute der freiheitliche Justizsprecher und Notarmagister Harald Stephan. Harald, die meisten kennen einen Notar tatsächlich nur vom Verlassenschaftsverfahren oder vom Wohnungskauf. Dabei ist ja das Tätigkeitsfeld viel breiter. Can you for unsere Zuhörer mal einen Überblick geben, womit sich ein Notar eigentlich sonst noch beschäftigt?
SPEAKER_00Also die wesentlichen Felder der Tätigkeitsfelder sind, das haben Sie jetzt schon angesprochen, mal das Verlassenschaftsverfahren. Da ist es so, dass die Gerichte praktisch die Arbeit auslagern an den Notar. Da wird der Notar ein sogenannter Gerichtskommissär, das heißt also ein Beauftragter des Gerichts, und das Gericht sagt, bitte führ du das Verlassenschaftsverfahren für uns als verlängerter Arm durch. Also das ist einmal eine Tätigkeit, deswegen kommt sozusagen jeder irgendwann einmal mit dem Notar in Berührung, wenn in seiner Familie oder wo auch immer ein Verlassenschaftsverfahren durchgeführt wird. Das ist also, das ist eine wirklich geradezu staatliche Aufgabe, die der Notar ausübt. Und die anderen Tätigkeiten sind Tätigkeiten eines Freiberuflers und juristischen Rechtsberaters, der nicht streiten darf. Das heißt, wir machen alle möglichen Formen von Urkunden. Und bei manchen Urkunden ist eine besondere Formerfordernis gegeben, also Urkunden, die für das Grundbuch errichtet werden. Da muss zum Beispiel zumindest die Unterschrift darauf beglaubigt sein. Es gibt gewisse Urkunden, wo sogar ein Notariat sagt, also eine noch förmlichere Errichtung notwendig ist, zum Beispiel bei Schenkungen, bei Pflichtteilsverzichten und so weiter, oder Verträgen zwischen Ehegatten, also da gibt es sogar ein Notariatsaktpflicht, also da ist der Notar sowieso dabei. Dann gibt es das Gesellschaftsrecht, da sind auch etliche Urkunden, ist es notwendig, dass ein Notar mitwirkt. Wir haben darüber hinaus natürlich, das kommt jetzt auch immer ein bisschen darauf an, wo sich ein Notariat befindet. Am Land ist das Notariat oft der einzige echte Ansprechpartner für Rechtsberatung. Es gibt also viele Orte, wo es kein Bezirksgericht mehr gibt, wo es auch keinen Rechtsanwalt vielleicht gibt, aber ein Notar gibt es immer. Und der ist also dann sozusagen dort für alles zuständig. Ich selbst war auch lange Jahre in einem Außenbezirk von Wien tätig, wo es, glaube ich, dann gar keinen Rechtsanwalt gab im ganzen Bezirk. Da kommen die Leute mit allen Anliegen. Das heißt, man berät dann, soweit man es kann, in allen Bereichen des rechtlichen Lebens. Wir machen auch im Familienrecht viel. Also Adoptionen zum Beispiel. Es gibt die sogenannte Sterbeverfügung oder da braucht man einen, also es gibt hier ganz weite Bereiche von Urkunden, wo der Notar notwendig ist.
SPEAKER_02Kommen wir nochmal zum Verlassenschaftsverfahren, weil es ja der Bereich ist, bei denen die meisten tatsächlich auch einen Berührungspunkt haben. Hier wird ein Notar ja als sogenannter Gerichtskommissär tätig. Kannst du uns erklären, was das genau ist und wie genau diese Aufgabe für den Staat dann aussieht?
SPEAKER_00Ja, das ist tatsächlich der verlängerte Arm des Gerichts, ist hier der Notar. Und da gibt es eine feste Geschäftsverteilung. Das heißt also, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort, jemand verstirbt, dann ist klar geregelt, welcher Notar zuständig ist. Die Mitteilung über einen Todesfall kommt zuerst zum Gericht und das Gericht schickt das dann weiter an den Notar. Und das Notar macht dann alle weiteren Schritte, schon immer in Einklang mit dem Gericht, aber er betreibt das. Das heißt also, er lädt einmal die Personen ein, die ihm irgendwie bekannt werden, damit er Informationen bekommt. Er prüft dann, gibt es ein Testament, welche Erbfolge tritt ein, wer sind die Verwandten, muss die informieren, dann erhebt er, was es für Schulden und was es für Guthaben gibt. Da muss er Einsicht nehmen ins Grundbuch, ins Firmenbuch, ins Testamentsregister. Und wenn das alles beisammen ist, dann wird das abgeschlossene Verfahren und dem Gericht vorgelegt mit dem Ersuchen, einen Gerichtsbeschluss zu erlassen. Aber die gesamte Tätigkeit dazwischen macht der Notar und das ist ein sogenanntes Verfahren. Das heißt, es ist nicht sehr formell und soll auch immer hier einen Ausgleich oder ein Verfahren ohne Streit durchführen können. Und tatsächlich werden nur ganz, ganz wenige Verlassenschaftsverfahren führen dann zu einem echten Gerichtsstreit. Ich weiß jetzt nicht die Prozentsätze, aber vielleicht sind es 1% oder 2%. Alles andere wird vorher beim Notar geregelt. Da werden dann oft auch einmal die Parteien zusammengebracht an einen Tisch und man diskutiert es aus. Man findet dann eine Regelung, trifft dann ein Übereinkommen und regelt die Dinge. Also das ist eine Aufgabe, die der Notar für den Staat durchführt. Ich bin auch überzeugt, dass das ein großes Erfolgsmodell ist. Die Gerichte könnten das wahrscheinlich so gar nicht. Und ich kenne nur Beispiele, wie das zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland deutlich schlechter funktioniert als bei uns. Also das hat sich gut eingespielt, das System.
SPEAKER_02Apropos gut eingespielt, ein Bereich, der auch besonders interessant ist, den unsere Zuhörer wahrscheinlich so auch nicht kennen, ist die Treuhandschaft. In Österreich gibt es ja dafür sogar eine eigene Notart-Treuhandbank. Kannst du einem konkreten Beispiel erklären, was die Treuhandschaft ist und welche Sicherheit sie den Bürgern gibt?
SPEAKER_00Der Sinn des Ganzen ist, dass wir festgestellt haben, schon vor ein paar Jahrzehnten, dass wir bei Treuhandschaften besondere Sorgfaltspflichten haben. Ich erkläre vielleicht ganz kurz, was der klassische Fall einer Treuhandschaft. Zwei Personen machen einen Kaufvertrag über eine Liegenschaft. Und wenn man Eigentümer einer Liegenschaft wird man erst, wenn man im Grundbuch als Eigentümer eingetragen ist. Das heißt, ich mache einen Kaufvertrag, und ab dem Zeitpunkt des Kaufvertrags könnte ja jetzt der Verkäufer diese Liegenschaft noch belasten. Er könnte sie ein zweites Mal verkaufen, oder es könnte gegen diesen Verkäufer Exekution geführt werden, weil er Schulden hat und dann noch ein Fandrecht eingetragen werden. Er kann noch drüber verfügen, weil er noch im Grundbuch eingetragen ist. Und jetzt kommt das Wesen der Treuhenschaft. Jetzt sage ich, also gut, der Käufer erlegt den Kaufpreis bei einem Treuhänder. Damit hat der Käufer an sich ja seinen Teil erfüllt. Trotzdem ist das Geld noch nicht beim Verkäufer angelangt. Weil der Verkäufer bekommt das Geld erst, wenn der Käufer im Grundbuch eingetragen ist. Und damit ist er sozusagen der Treuhinder der Puffer dazwischen. Der Verkäufer kann sicher sein, das Geld ist einmal da. Und der Käufer kann sicher sein, das Geld geht erst an den Verkäufer, wenn ich Eigentümer bin. Also das ist der klassische Fall der Treuenschaft. Und jetzt ist es natürlich auch so, dass mit so einem treuend Geld natürlich auch der Treuender etwas anstellen könnte. Das hat es Gott sei Dank im Notriat nie gegeben, aber in der Anwaltschaft gab es da ein paar dramatische Fälle, wo Treuer mit viel Geld verschwunden sind. Der erste große Fall ist vielleicht nur das Beumont am Rande, der ist nach Brasilien mit damals, glaube ich, 120 Millionen Schilling, aber es war damals auch viel Geld, abgehauen. Und der ist aber recht schnell wieder zurückgekommen, weil natürlich die organisierte Kriminalität das sofort mitbekommen hat. Und die haben ihm so zugesetzt, in solchen Staaten wie Brasilien und so weiter, ist wahrscheinlich noch einmal alles schlimmer, dass es ihm lieber war, er kommt zurück und sitzt bei uns sicher im Gefängnis, als dass ihm dort das Leben schwer gemacht wird. Aber das nur am Rande bemerkt, vielleicht auch für all jene, die glauben, man kommt davon. Also man kommt aus verschiedensten Gründen üblicherweise nicht davon. Um jetzt hier den Parteien eine besondere Sicher zu bieten, ist es immer wichtig, dass sie Informationen bekommen. Das heißt also, über jede Bewegung auf dem Trehandkonto bekommt jeder, der an dem Trahendkonto beteiligt ist, eine Nachricht. Und damit siehst du schon, jetzt wenn du jetzt zum Beispiel Käufer bist und plötzlich siehst du, der hat das Geld ausgezahlt an den Verkäufer, na dann wirst du heller gesagt und sagen, heißt das, bin ich jetzt schon im Grundbuch oder wieso hat der Trehender das gemacht? Also ich sehe das. Transparenz ist ja, wie wir wissen, da immer ein ganz wesentlicher Sicherheitsfaktor und all das gewährleistet eben diese Notartreuhandbank. Die hat hier ganz klare Qualitätsstandards, weil die auch darauf spezialisiert ist. Die ist ja eben nur dazu da, die macht sonst nichts, also die macht kein sonstiges Bankgeschäft, damit gibt es also auch kein Risiko von Spekulationen, sondern die verwaltet wirklich nur die Treuhandgelder und kümmert sich eben um die Fälle, prüft die und so weiter. Also das ist ein großer Vorteil und ist trotzdem relativ unkompliziert, weil er natürlich eben auch, weil sie eben auch spezialisiert ist, einfach auf diese Vorgänge. Und damit funktionieren die Treuenschaften bei Notaren besonders gut.
SPEAKER_02Sehr spannend. Vielen Dank für diesen Einblick. Gleich klären wir die Frage, die viele junge Juristen stellen werden, nämlich, wie werde ich eigentlich Notar?
SPEAKER_01Recht und Realität, das Autre Erfolgsmagazin für Gerechtigkeit.
SPEAKER_02Schön, dass ihr wieder dabei seid. Ich unterhalte mich heute mit Magister Harald Stephan, freiheitlichem Justizsprecher und seit über 30 Jahren Notar in Wien. Harald, der Weg zum Notar gilt ja als einer der längsten in den juristischen Kernberufen. Am Anfang steht wie immer das abgeschlossene Studium und die Gerichtspraxis. Aber wie geht es dann weiter? Kannst du diesen Weg einmal Schritt für Schritt nachzeichnen?
SPEAKER_00Ja, gerne. Der entscheidende Punkt ist, dass man einen Notar finden muss, der einen aufnimmt. Also man braucht den sogenannten Ausbildungsnotar. Dann ist man einmal aufgenommen in den Notarstand, ins Notariat. Dann ist man ein sogenannter Notariatskandidat, also ein Kandidat, also ein Anwärter, einmal Notar zu werden. Als Notariatskandidat hat man dann eine sehr aufwendige Notariatsprüfung in zwei Teilen zu machen, also den ersten Teil nach eineinhalb Jahren, ab dem Moment, wo man eingetreten ist, dann frühestens ein Jahr später kann man den zweiten Teil machen. Das sind tatsächlich sehr schwierige Prüfungen, die mehrtägig sind, mit ganz langen schriftlichen Prüfungen, wo der gesamte Stoff, der juristische Stoff, der das Notariat insbesondere betrifft, nochmal ein bisschen praxistauglicher abgeprüft wird. Da wird auch üblicherweise wirklich sehr lange davor gelernt. Also ich habe im Studium, glaube ich, nicht so eine schwere Prüfung gehabt wie die Notariatsprüfung. Und wenn man die Notariatsprüfung hat und eine Praxiszeit von mindestens sieben Jahren, dann kann man theoretisch schon Notar sein. Es gibt aber nur eine bestimmte Anzahl von Notarstellen in Österreich. Und daher muss man jetzt schauen, wenn eine Notarstelle frei wird, dann kann ich mich bewerben. Und dann macht die Notariatskammer einen Vorschlag, wo sie meint, wer dort als erster zu ernennen ist. Das hat dann damit zu tun, wie viel Praxiszeit hat dieser Notariatskandidat, was hat der für einen besonderen Bezug zu diesem Notariat, war der schon dort beschäftigt, war dort in der Gegend beschäftigt, was hat er vielleicht noch für Zusatzqualifikationen. Das sind so im Wesentlichen die Punkte. Und dann wird dort jemand vorgeschlagen. Das Landesgericht muss noch zustimmen, das Oberlandesgericht und dann der Justizminister nennt dann letztendlich den Notar. Aber wie gesagt, frühestens sieben Jahre Praxis kann ich mich bewerben. In der Realität ist es allerdings so, dass man je nachdem, in welcher Gegend man sich bewirbt, zwischen 15 und 20 Jahren in etwa Praxiszeit braucht, bis man wirklich Notar ist.
SPEAKER_02Du hast jetzt gerade schon ausgeführt, dass die Zahl der Notarstellen in Österreich staatlich begrenzt ist. Kannst du uns erklären, warum das jetzt genauso ist und diese Beschränkung deiner Meinung nach auch sinnvoll ist?
SPEAKER_00Also wir haben eben eine öffentliche Aufgabe als Notar. Und das bedeutet, dass wir auch die Verpflichtung haben, zur Verfügung zu stehen für die Bevölkerung. Das heißt also, wir dürfen zum Beispiel die Kanzlei nicht zusperren. Ich kann nicht sagen, ich mache zwei Wochen im Sommer Urlaub und mache zu und schicke meine Angestellten nach Hause. Das darf ich nicht. Ich muss das ganze Jahr offen haben. Ich darf gerade am 24. Dezember und am 31. Dezember darf ich zusperren. Aber sonst muss ich immer geöffnet haben, weil ich eben zur Verfügung stehen muss für die Bevölkerung. Und es soll eben flächendeckend in ganz Österreich Notariate geben als Anlaufstelle. Und daher hat man gesagt, also man schafft hier eine bestimmte Zahl von Amtsstellen, die dann auch zu besetzen sind. Zum Beispiel gibt es Gegenden im Waldviertel, wo ein Anwalt sagt, das zahlt sich für mich nicht aus, da habe ich nicht genug Geschäft. Das setze ich mir nicht hin, ich setze mich dann in nächster größere Stadt nach Horn oder was auch immer. Oder noch weiter in Richtung Ballungszentrum. Und damit wäre das ausgedünnt. Das Notariat sagt nein, wir sagen, wir sind da. Also dafür gibt es einmal auch diese Amtsstellen. Außerdem hat eben das Notariat durch seine öffentliche Aufgabe bewusst ein bisschen zurückgedrängt, den totalen Konkurrenzdruck zwischen den Notariaten, damit also hier die Qualität auch noch immer gewährleistet ist. Es hilft nichts, wenn ich eine öffentliche Urkunde habe, die dann nicht richtig ist, weil die unter irgendwelchen schlampigen Bedingungen gemacht wurde oder mit ich vielleicht das Ganze noch einmal billiger mache oder wie auch immer. Qualität braucht Zeit und Zeit kostet. Das ist halt einmal so, dass man in Österreich diese Regelung hat und sagt, ich setze auf Qualität am Beginn einer rechtlichen Handlung und habe dann nachher dafür Rechtssicherheit. Man könnte es natürlich auch anders machen und sagen, es ist ja wurscht, macht es irgendeiner Urkunde und nachher wird halt dann drüber gestritten und dann wird es gelöst vor Gericht. Dafür hat man eben dann eine bestimmte Anzahl von Amtsstellen. Die richtet sich danach, wie viele Personen in einer Gegend leben, wie viel Geschäft dort stattfindet. In der Innenstadt sind, glaube ich, 20 Notare. Und in, ich weiß jetzt nicht konkret, aber in einer Stadt in der Peripherie ist halt nur ein Notar, obwohl dort vielleicht zehnmal mehr Leute oder 20 Mal mehr Leute wohnen als in der Innenstadt. Weil man eben sagt, dort, wo wirklich sich viel bewegt, wo viele Anwälte sind, wo viel Geschäftstätigkeit ist, dort gibt es mehr und dort, wo weniger los ist, weniger, aber es gibt trotzdem immer noch einen in allen all den Orten, wo es früher auch Bezirksgerichte gegeben hat und jetzt zum Teil gar keine mehr. Und da gibt es immer noch eine Amtsstelle.
SPEAKER_02Du bist ja diesen langen Weg bis zur eigenen Amtsstelle selbst gegangen. Wenn jetzt ein junger Jurist zu dir käme und sagt, er will Notar werden, was würdest du ihm raten?
SPEAKER_00Man weiß ja nie, was die Zukunft bringt und die Europäische Union hat in so vielen Bereichen so furchtbare Ideen, dass man nicht weiß, ob nicht alles auf den Kopf gestellt wird. Also es könnte sein, dass man zum Schluss kommen, aber auch keinem Notar und europaweit wird es neu geregelt. Also das ist sozusagen die Einschränkung, die ich immer treffe. Aber sonst kann ich nur für mich sagen, dass ich diesen Beruf als sehr Befriedigend empfunden habe, ist vielleicht auch eine Typusfrage, und ich glaube, dass es mir liegt, aber dass man tatsächlich gebraucht wird, dass Menschen kommen und Unterstützung wollen und man ihnen helfen kann und dass man eben auch ausgleichend ist, dass man seine Form der Gerechtigkeit ausleben kann, das ist ein sehr schönes Berufsfeld. Und ich würde ihm schon sagen, ja, wenn es dir liegt, wenn du das willst, wenn du musst einerseits mit Menschen umgehen können, andererseits auch genau sein und schon auch mit Papier umgehen können, wenn dir das liegt, dann schauen wir, ob wir jemanden finden, der dich aufnimmt. Und dann musst du eh deinen Weg gehen. Aber ich würde ihm da schon grundsätzlich dazu raten. Man muss halt einem jungen Menschen ja sagen, was es eben für einen Vorlauf hat, wobei ich vielleicht schon noch ein bisschen einschränken muss. Es heißt ja nicht, dass ich, wenn ich jetzt nach 20 Jahren als Notar werde, dass ich davor ein angestellter Sklave bin. In Wirklichkeit freut sich ja jeder Notar darüber, wenn er gute Notariatskandidaten hat, die dürfen dann auch schon nach einer und wenn sie die Prüfung haben, nach einer bestimmten Praxiszeit, dürfen die neben dem Notar alles machen, was der Notar macht. Es sind dann sogenannte Notarsubstituten. Das heißt also, in Wirklichkeit übt so dann schon die gleiche Tätigkeit aus. Das wird meistens auch gut honoriert. Das heißt, man kann also durchaus als Notarsubstitut schon durchaus gut verdienen. Also es ist nicht so, dass man da wartet und dann erst nach 20 Jahren plötzlich einmal dann das Licht aufgeht. Aber man muss sich drüber im Klaren sein, man hat einen Beruf, der eben schon eingeschränkt ist durch dieses Wesen der Amtsstelle, dass ich nicht sagen kann, so nach sieben Jahren, jetzt gehe ich irgendwo hin und eröffne eine Kanzlei. Aber wenn einem das bewusst ist und man das will, würde ich persönlich dazu raten, weil es mir der Beruf, obwohl ich mich natürlich auch jeden Tag einmal ärgere, in Summe sehr viel Freude macht und mich sehr befriedigt.
SPEAKER_02Liebe Zuhörer, bleibt dran. Gleich erfahren wir noch, wie man das Amt des Notars mit einem Mandat im Nationalrat verbindet.
SPEAKER_01Recht und Realität, das Austria Föstmagazin für Gerechtigkeit.
SPEAKER_02Willkommen zurück bei Recht und Realität. Mein heutiger Gast ist Magister Harald Stefan, Notar in Wien und zugleich Abgeordneter zum Nationalrat und freiheitlicher Justizsprecher. Harald, du übst jetzt zwei sehr anspruchsvolle Tätigkeiten parallel aus. Auf der einen Seite das Notariat und auf der anderen Seite die Politik. Wie lässt sich das im Alltag organisatorisch und zeitlich eigentlich überhaupt vereinbaren?
SPEAKER_00Also ich würde mal sagen, in erster Linie mit sehr viel Disziplin hängen lassen darf ich mich nicht, das geht sich nicht aus. Das heißt also, mein Tag ist schon sehr intensiv getaktet. Ich würde sagen, dass ich wirklich ständig unter tags arbeite und das auch oft bis spätabends, weil ja die Politik auch Veranstaltungen mit sich bringt oder wenn einmal keine ist, ich dann vielleicht etwas in der Kanzlei, der Notariatskanzlei wieder ausgleichen muss. Also Disziplin ist das eine. Dann das zweite ist, dass ich das Glück habe, eine sehr gut funktionierende Kanzlei zu haben, also sehr gute Mitarbeiter, die mir bis ein gewissen Grad auch den Rücken freihalten. Das dritte ist, dass ich das Glück habe, dass ich, dass meine Notoriatskanzlei in Wien in der Nähe des Parlaments ist. Ich daher sehr kurze Wege habe, auch nicht weit weg wohne, dass alles mit dem Fahrrad bewältigen kann und damit sehr schnell bin. Also ich habe geringe Reibungsverluste. Und wie gesagt, sonst, manchmal ist es grenzwertig, manchmal hat man das Gefühl, es ist zu viel. Aber es hat jetzt schon sehr viele Jahre auch funktioniert. Und solange ich die Kraft habe, werde ich es gerne noch so weitermachen. Aber vielleicht darf ich sagen, es gibt auch bei uns noch einen zweiten Notar, der das auch schafft im Club, der sogar in Salzburg-Notar ist. Also sogar mit der Distanz aus Salzburg scheint es zu funktionieren. So wie ich den Kollegen Reifenberg erkenne, ist der auch sehr diszipliniert und sehr fleißig. Aber das muss man halt auch sein, wenn man so viel unter einen Hut bringen will.
SPEAKER_02Und hilft dir die tägliche Arbeit im Notariat auch bei deiner Tätigkeit als Justizsprecher?
SPEAKER_00Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, dass es im Parlament Menschen gibt, die einen Beruf haben. Es muss auch Berufspolitiker geben, die sich hundertprozentig für die Politik einsetzen. Also auch das würde ich überhaupt nicht ablehnen, aber umgekehrt bin ich schon sehr froh, dass ich diesen Blick ein bisschen von außen habe. Also es beginnt einmal damit, dass ich weiß, was es bedeutet, dass man jeden Monat Steuern zahlen muss, abliefern muss und Gehälter zahlen muss und was es bedeutet, wenn Dienstnehmer krank sind, was es bedeutet, was man für Berichtspflichten hat, was man für bürokratische Auflagen hat, wie der Staat immer wieder es auch mir, aber sonst und durch anderen Unternehmen vielleicht fast noch mehr schwer macht. Also das alles zu sehen, ist einmal sicherlich sehr gut. Dann eben auch zu wissen, wo Geld herkommt, was verdienen Angestellte, was machen die dafür und so weiter. Also das ist einmal das eine. Dann natürlich hat man eine Kompetenz, eine fachliche Kompetenz, aber die ist natürlich schon auch beschränkt. Es ist klar, also das, was man im Berufsalltag sieht, ist natürlich auch nicht die ganze Juristerei. Aber man hat doch einen Zugang. Oft einmal weiß man, wenn jetzt theoretisch über etwas gesprochen wird und ich weiß, aha, ja, solche Verträge mache ich ja selbst, da weiß ich schon, das ist das Problem. Oder beim Grundbuch oder beim Firmenbuch oder auch bei anderen Verfahren. Ich habe das einfach von der Praxis gesehen. Also ich halte das für absolut hilfreich und sinnvoll und würde mir wünschen, dass es mehr mit echter Berufserfahrung im Parlament gibt. Bei uns im Nationalratsclub, im Freiheitlichen, muss man ja sagen, wir sind vorbildlich. Also bei uns gibt es ja sehr viele, die eben ihren Beruf ausüben und damit auch diese Kompetenz noch einmal ins Parlament bringen.
SPEAKER_02Lieber Harald, das ist ein schöner Schlusssatz. Vielen herzlichen Dank, dass du da warst und uns diesen Einblick gegeben hast.
SPEAKER_01Recht und Realität, das Austria First Magazin für Gerechtigkeit mit Cornelia Haider. Immer neu am Dienstag von elf bis zwölf und jederzeit zum Nachhören auf AustriaFirst.at